Konzertrückblicke & Pressematerial

Konzert 23.09.2026, Mannheim

Chopin: 4 Nocturnes

Modest Mussorksky: Bilder einer Ausstellung (Original-Fassung)

Prokoviev: Sonate Nr. 8

Andrei Gavrilov am Konzert am 23.09.2026 in Mannheim

Andrei Gavrilov ist noch immer einer der Propheten und Philosophen am Konzertflügel.

„Musik ist eine Philosophie auf kosmischer Ebene, die in Klängen unglaublich verdichtet ist. Der Rest der menschlichen Klänge, die man „Musik“ nennt, ist einfach nur Unsinn. Klang Müll.“

Wer dies in fast unmenschlicher Konsequenz erleben wollte, war gut beraten, sich in das Museums-Viertel in Mannheim in den Florian-Waldeck-Saal zu begeben.

Dort konnte man wahrscheinlich einige viele Tausend Einzelnoten erleben, die jedoch alle keine Einzeltöne waren.

Wer wie kein anderer Musik in einer kosmischen Weise erzählen kann bringt alles in Zusammenhänge – selbst wenn es nur eine 64-tel-Note aus der fast unspielbaren Prokoviev-Sonate Nr. 8 in einem Oktavlauf in der linken Hand ist.

Technik nicht als Show – obwohl man Gavrilov noch immer mit teils wahnwitzigen Tempi erleben darf. Stattdessen Tempi, um Zusammenhänge und die Bedeutung der Musik dem Hörer – und gerade auch einem Hörer, der nicht selbst Musik studiert hat- näherzubringen.

Mussorgsky, wo selbst erfahrene Konzertgänger sagen: „Ich wusste gar nicht, dass es, diese und jene Stimme, diese Auflösung einer Dissonanz gibt! Und ich war mir so sicher, dass ich Bilder einer Ausstellung sehr gut kannte.“

Den Anspruch, Musik zu einem außermusikalischen Erlebnis zumachen, vielleicht sogar in kosmischem Sinne, wird Gavrilov im besten Sinne mehr als gerecht. Er biegt die technischen Möglichkeiten und überschreitet Grenzen einer Virtuosität, weil es ihm eben nicht um die Virtuosität und den „dummen Klaviersport“ geht.

Sondern weil das Werk, die Interpretation, die Zusammenhänge in historisch – philosophisch und prophetischem Sinne erfordert.

Bemerkenswert: Die vergangenen 5 Jahre hat sich Andrei Gavrilov hauptsächlich mit der Erarbeitung und Einspielung einer völlig neuen Art der Interpretation des Bach’schen Wohltemperiertem Klavier beschäftigt.

Um seinen dortigen Ansprüchen, insbesondere im Sinne von teils extremen Tempi – die wiederum ganz neue Zusammenhänge in Erscheinung treten lässt haben Gavrilovs Interpretation von Romantik und Spätromantik in keinerlei Weise „geschadet“, im Gegenteil: Die im Zusammenhang mit Bachs Werk von Andrei Gavrilov entwickelte neue Technik („Die Octopus-Technik“ mit noch mehr Millimeter-genauer Kontrolle im Kontakt mit den Tasten“) zeigt auch hier nochmals einer Steigerung der Spiel-Effektivität, die solche interpretatorischen Extrema bei Prokoview erst ermöglichen.

Das Konzert war gut besucht, das Mannheimer (und von weit darüber hinaus herkommend) Publikum zollte mit „Standing Ovations“ höchste Begeisterung und Respekt.

Gavrilov ist und bleibt für alle, die keinen „Klang-Müll“ und Effekt-Hascherrei hören wollen, ein absoluter Top-Kandidat.

Die Vorfreude auf das wahrscheinlich noch dieses Jahr im Eigen-Plattenlabel herauskommende Wohltemperierte Klavier ist unermesslich groß.


Herzlichen Dank, Maestro, du hast uns wieder ein Stück aus dieser Welt herausgenommen. Auf eine wunderbare und wertvolle Weise!